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15
Sep
2005

Grundlagen: Vorteile von Book on Demand

DieBookonDemand Methode bietet insbesondere für KleinverlegerundSelbstverlegerVorteile, die sich sehen lassen können. BeiAbwägungderVorteile sindfolgende zu berücksichtigen. ZuerstseiendiebetriebswirtschaftlichenVorteile skizziert, welche in ersterLiniefürVerlagsgründer interessanterscheinen, aberauchangehendenSelbstverleger mit aber auch ohneVerlagsgründung, könneninderGründungsphase von den Vorteilenprofitieren,bevordieseGründungs-bzw. Firmenkapital mit Verlusteinsetzen.

  1. Ausrichtung der Auflagen nach Ihrem Bedarf
  2. Reduziertes Makulaturrisiko
  3. Überschaubare Vorfinanzierung
  4. Geringe bis keine Lagerhaltung
  5. Nachproduktionen jederzeit möglich
  6. Unbegrenzte Lieferbarkeit von Buchtitel.

DieobendargestelltenVorteilesind aus der Sicht einesKleinverlagesinteressant. Wichtigersind dieVorteile für denunerfahrenen Autor,welcher sich ein Überblickzuerstverschaffen will.Diese sind untenabgehandelt:

 

BeiderAbwägungvonVor-und Nachteilen des Unternehmens einesPublishingonDemandpublizierens, ist es von vitaler Bedeutung, dass derAutorstetsdie Maxime vor seinem geistigen Augen haben sollte, dass Verlage keine Fürsorgeanstalten sind.WiejedesUnternehmenist die Existenzgrundlage dasUnternehmensgewinn.DieseEinstellung lässtauch dieEntscheidungsfindung leichter zu undderSelbstzweifel an deneigenenFähigkeiten wird vermindert, wennmaneigenermaßen dasHandwerkszeug desAutors beherrscht.

  1. Publikationsmöglichkeit vorbei an traditionellen Verlagen. AutorenbenötigenkeinenLiteraturagentenund Ersparen sich die Mühe immerwieder Lektorenvon derQualität desManuskripts zu überzeugen. DieEntwicklung imVerlagswesenläuft dahin,dass man ohne einenLiteraturagenten als AutorschlechteChancen hat einManuskript beimeinem renommierten Verlagangenommen zubekommen. Auch inDeutschlandspielen Literaturgentenimmer mehr einewichtige Rolle beiVermittlungvon Autoren an Verlage,dieAmerikanisierung des Verlagswesensist imGange.
  2. Zeitersparnis ohne Anlaufzeit das Manuskript an traditionelle Verlage zu versenden und auf eine Absage zu warten. Verlagshäuser,sowohlKleinverlage, wieauchGrossverlage sindkeineFürsorgegesellschaften, essindbetriebswirtschaftlichrechnendeUnternehmen, die Gewinneerwirtschaftenmüssen. Nach diesemKriteriumwird auch Verlagsprogrammgemacht. Trendsund Geschmack derLeserschaftgeben die Randbedingungenvor wonachpubliziert wird. DerWeg durch dieVerlagsinstanzen kann derAutor, wenner Anfänger ist sichersparen undseine Energie fürBuchvorstellungund Vertrieb desBucheseinsetzen. Die Literaturgeschichteist nicht ohneBeispielevonberühmten Schriftstellern, die zuerst selbstpublizierthaben,bevordie Lektorenschaft auf diese aufmerksam wurde.
  3. Editoriale und inhaltliche Autonomie. BookonDemandAutorenhaben die editoriale und inhaltliche AutonomieüberdasManuskript. KeinLektor schreibt Autoren vor, welche PassagenausdemManuskript imschlimmsten Fall herausfallen sollen. Der Autorkannnichtnur diegrahische Gestaltung des Buches inEigenverantwortungvornehmen,vielmehrdie inhaltliche Gestaltung obliegtdem Autor selbst.
  4. Rechtliche Hoheit. DieUrherberrechte werdenohneEinschränkungendurch Autorenverträgenur vom Autor selbstwahrgenommen.Der Publishing onDemand Verlagtastet marginal dieAutorenhoheit an.Hier ist es wichtigdie Verträgegenau durchzulesen,wobei bei allenVerlagen dieser Branchedielangfristige Bindung desAutors an den Verlagnicht abgefordertwird.Fristen sind auch höchstensbis zu drei Jahrenzuwahren.Weiterführende Rechte wie Filmrechteverbleiben bei dem Autor,esistjederzeit unter Wahrung derFristenregelung die AuflösungdesVertragesmit einem BoD-Verlagmöglich. Dies ist insoweit vonBedeutungfalls dasManuskript von einemtraditionellen Verlag angeworbenwird.
  5. Höhere Autorenhonorare sinddurchausbeieinerSelbstveröffentlichung vorgegeben.Die HonorarebeitraditionellenVerlagenliegen zwischen 6% bis 10% dertasächlchverkauften Exemplare.Bei Book onDemand können Honorarezwischen 15%bis 35% eingenommenwerden. Der direktVerkauf an Leserlässt einenhöheren Honorarsatzeinspielen. Eine Auflagevon 300verkauftenExemplaren bringt alsReingewinn mehr ein alsgedruckte1000Auflagen,die erst die Leserschaftfinden soll.
  6. Geringe Abverkaufszahlen. Autorensolltenstetsrealistischdie Geschäftstätigkeit von Verlagenbetrachten.HoheErstauflagezahlenbedeuten nicht immer hoheGewinnerwirtschaftung.VieleBücher landen inder Papierpresse oderwerden als Restposten unterdenProduktionskosten anGrosshändlerverkauft.

Grundlagen: Was beabsichtige ich mit einer Publikation?

Die Grundsatzfrage lautet vor Beginn eines Buchprojektes zur Veröffentlichung, nach dem das Manuskript fertig gestellt ist: Was möchte ich mit der Publikation erreichen? Mit dieser Frage sind die persönlichen Ziele des Autors gemeint, welche die publikationstechnische Umsetzung betreffen. Die Definition des Zieles ermöglicht schon in der Startphase fundementale Fehler zu vermeiden. Die Frage zielt mittelbar auf die Zielgruppe des Autors, vielmehr ist diese Frage mit der Persönlichkeit des Autors verbunden.

 

Welcher Autorentyp sind Sie? Sind Sie ein ambitionierter Autor, der als Schriftsteller sich etabilieren will oder sind ihre publizistischen Ziele nur privater Natur? Der ersteren Gruppe ist die BOD-Verfahrenweise nur bedingt zu empfehlen, während als Hobbyschriftsteller, wenn Sie sich in das literarische Welt eintasten wollen durchaus interessante Perspektiven durch die Book on Demand Methode sich für den Autor eröffnen können. Ihre Erwartungen werden nicht enttäuscht, da zu Veröffentlichung im Literaturbetrieb heute die Marketingarbeit gezählt werden muss, wird die Vermarktung des geschriebenen Werkes vorallem von Debütanten unterschätzt.

 

Wer soll Ihre Bücher verkaufen? Wieweit benötige ich Marketing- und Vertriebsdienstleistungen? Möchte man ein Buch für einen kleinen Leserkreis, wie z.B.die Familie, so ist es ratsam, sich an eine BOD-Druckerei hierzulande anzuvertrauen, wobei die zusätzlichen Serviceleistungen, wie die ISBN Vergabe und Verzeichniseintrag, der Eintrag bei Amazon und anderen Buchhandlungen heutzutage bei viele Anbieter im Preismitenthalten ist.Warum sollte man auf diese Zusatzleistungen dann verzichten? Auch eine Publikation zu rein familiären Zwecken kann ein Mehrwert bedeuten, da sämtliche Erscheinungen für spätere Forschung der Nachwelt interessant sind. Deshalb kann auch der sozial-historische Aspekt einer Publikation, wenn sie auch zuerst unbeabsichtigt ist,wichtig sein. Tagebücher, Biografien und anderebiographische Zeugnissesind Quellen des Zeitgeistes, die auf jedenfallnicht nur für dieFamiliengeschichte interessant sind.Denken Sie auch immer daran, dass Ihre Texte auch für die Nachwelt als Quellenmaterial in Frage kommenkönnen.

Book On Demand aus buchbinderischer Sicht

Auf der Seite der buchbinderischen Weiterverarbeitung ist einesolche Trennung derzeit nicht möglich. Hier existieren einerseits dieHandbuchbinder, die jedes Buch manuell binden und aufgrund des hohenZeitbedarfs sehr teuer produzieren. Andererseits ermöglichenindustrielle Weiterverarbeitungslinien bei einem hohen Investment eineschnelle und wirtschaftliche Fertigung auch für die Prozessschritte des Buchbindens. Diese Buchfertigungslinien zeichnen sich neben der hohenGeschwindigkeit vor allem durch relativ hohe Rüstzeiten aus. DieTechnologie erlaubt es heute kleineAuflagen von Printproduktenjeglicher Art auf Abruf zuproduzieren, diese Produktionsweise hatden Vorteil, dass man kein Kapital bei Buchproduktion bis zu einerAuflage von 500 Büchern langfristig binden muss und viel wichtigerdass die Freiheit, das geschrieben Wort zu fördern nicht nur einemexklusiven Kreis vorbehalten ist. Der Nachdruck des Buches orientiertsich an der Nachfrage, auch die Erstauflage kann in der Anzahl derBücher die man produzieren möchte vom Autor je nach Budget festgelegtwerden. Es gibt je nach Anbieter in der POD-Branche keineMindestabnahmemenge von Büchern. Es lohnt sich auf jedenfall eineeigene Kostenaufstellung zumachen, wo man produzieren lassen möchte.Der Service kann ja nach Absicht des Autors bei Anbieter ausden USA  günstiger sein. Als höchste Prioritätsindzuerst die Grundsatzfragen vor einer Entscheidung über das eigene publizistische Schaffen zu klären.

Book On Demand in Detail?

Nach allgemeiner Auffassung stellt Thielenfest, dass die "Einsatzgebiete solch einerBook-on-Demand-Technologie sind vielseitig. Sie reichen von derProduktion von Vorserien bis hin zu Nachauflagen, von derwirtschaftlichen Fertigung von Fachliteratur auch in kleinenAuflagenbereichen, bis zur Realisierung neuer Buchkonzepte, bei denenein Buch aus Textbausteinen zusammengetragen und zu einem individuellenBuch zusammengestellt wird. Auch kann durch die Möglichkeit derKleinauflagenfertigung unbekannten Autoren die Chance geboten werden,ihre Werke zu veröffentlichen. Weiterhin sind durch das Book-on-Demandaus betriebswirtschaftlicher Sicht vollkommen neue Konzepte denkbar,bei denen davon ausgegangen wird, dass ein Buch kundennah und aufAuftrag produziert wird, z.B. in größeren Buchhandlungen, so dassLager- und Speditionskosten eingespart werden können. Darüber hinausbegünstigt die Entwicklung des Buchmarktes, auf dem immer mehrverschiedene Titel bei sinkender durchschnittlicher Auflagengröße zubeobachten sind, die Nachfrage nach Lösungen für das Book-on-Demand.Eine durchgängige exakte Abgrenzung zwischen der konventionellenFertigung und der Book-on-Demand Fertigung ist derzeit nicht gegeben.Üblicherweise wird davon ausgegangen, dass für die Book-on-DemandFertigung die Digital-Drucktechniken zum Einsatz kommen. Diese bietendie Möglichkeit, eine wechselnde Bebilderung bei kontinuierlichemDruckprozess zu realisieren, so dass die Voraussetzung für einenschnellen Wechsel zwischen unterschiedlichen Titeln erfüllt ist.

Was ist Publishing on Demand?

„Book-on-Demand",wörtlich übersetzt Buch-auf-Anfrage, ist ein Schlagwort, das in derGraphischen Industrie immer häufiger zu hören ist. Hintergrund diesesSchlagwortes ist die Fertigung von Büchern in kleinen Auflagen –entsprechend einer tatsächlichen Anfrage, anstatt einerMassenproduktion, bei der die tatsächliche Nachfrage noch nicht feststeht.

Selbstverleger

Die Kunst nach dem richtigen Verlag zu suchen und das Manuskript anerkannt zu bekommen, stellt für jeden Autor eine Herausforderung dar. Viele Manuskripten enden in der Schreibtischschublade ohne die Öffentlichkeit zu erblicken. Dieser Blog stellt ein Versuch dar, unbekannte Autoren bei der Publikation eines Manuskriptes zu helfen. Die Hilfe beschränkt sich nicht nur darin Grundlagen zu vermitteln, sondern auch die gemeinsame Veröffentlichung eines Lesebandes. Es kann nicht immer der finanzieller Erfolg entscheidend sein, als Einstieg in dem literarische Betrieb genügt es oft nicht seine Manuskripte bei Verlagen einzureichen, der eigene Weg in bei der Erstveröffentlichung kann in Kombination mit Marketing als Weg benutzt werden.

"Publishing on demand (PoD)", auch "Print on demand" (PoD), "Book in time" (BiT) oder "Book on demand" (BoD) genannt, ist eine Form, Bücher zu veröffentlichen, bei der die Einzelexemplare eines Titels erst dann gedruckt werden, wenn sie vom Kunden bestellt werden.

7
Aug
2005

Exkurs: Der Begriff des muslimischen Staates

Die Begriffe des muslimischen Staates, der muslimischen religiösen Vereinigungen, Islamismus, islamischer Extreminismus, islamischer Fundamentalismus und der muslimischen Identität sind stets bezogen auf lokale und segmentäre Gruppen anzuwenden. Sie sind um den Vater der deutschen Soziologie, Max Weber, zu paraphisieren Idealtypen, welche sich in verschiedenen Abwandlungen und Kombinationen dazu eignen, muslimische Gesellschaften in verschiedenen Epochen und in anderen geographischen Teilen der Welt als den Nahen und Mittleren Osten zu analysieren.

Es bedeutet für den Gesamtprozeß der institutionellen Formation einer islamischen Gesellschaft, dass der Beginn der Institutionalisierung mit einem charismatischen Führer und visionären Bewegung einsetzt über den Prozeß der Transformation ihren Ausklang in der Umsetzung von Glaubensvorstellungen, Praktiken, Identitäten und Organisationen zwischen Atlas und Pamir findet.

Die Institutionalisierung des Islams - Die uneinheitlichen Eliten

Die Offenbarung als Quelle manifestiert im Koran und die grundlegenden Ausführungen in der Sunna wurden als das Erbe des Propheten in die Gesellschaften durch zwei uneinheitliche Eliten hineingetragen. Auf der einen Seite entstand das Khalifat als Institution nach dem Ableben des Propheten, durch seine Nachfolger initiiert, welche sich als "Khalifen des Propheten" zu bezeichnen pflegten, auf der anderen Seite entwickelte sich die Ulama, als eine Elite von islamisch-religiösen Gelehrten, überdies entstanden Sufi-Orden.

Noch zu Zeiten des Propheten finden sich erste Ansätze, welche auf die künftige Herausbildung der genannten Eliten hinweisen. Zu Lebzeiten des Propheten bildete sich in der frühislamischen Gemeinschaft unter den Jünger eine ausgewählte Gruppe, welche sich mit dem Aufschreiben des Korans und mit der Memorisierung von Hadith beschäftigte, der Lebensunterhalt dieser Gruppe wurde durch die Gemeinde finanziert.

Beide Eliten versuchten nach der Regierungszeit der vier rechtsgeleiteten Khalifen als die ersten Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der Religion auftraten, die islamischen Werte und Identitäten einer bereits komplexen Kultur anzusinnen und sie nach ihrem eigenen Ethos nach ihren Interssen umzugestalten. Die Institutionlisierung des Islams gestaltete sich als ein hochkomplexer Prozeß verstärkt wurde dieser Prozeß durch das Einwirken der beiden Eliten auf die jeweilige Gesellschaften. Die auf der Staatsebene agierenden Khalifen versuchten die Reichsinstitutionen in das umzuwandeln, was später als islamische Staaten genannt wurden, während die Ulama und die Sufi-Orden als kommunale oder sektenartige Verbände sich organisierten. Dieser Entwicklung schloß sich das Bemühen der religiösen Elite an, islamische Symbole und Identitäten in die Kollektiveinrichtungen zu integrieren. Die Spannung zwischen beiden Eliten zieht sich durch die islamische Geschichte wie ein roter Faden durch und erlaubt heute ein Erklärungsansatz für die Renaissance des Islams nach der Säkularisierung im 19. und 20. Jahrhundert zu liefern. Der Dualismus beider Eliten ist charakteristisch für den Islam im Nahen und Mittleren Osten und tritt in abgewandelter Form in afrikanischen und asiatischen Gesellschaften zu Tage, welche zu islamisch geprägten Gesellschaften zählen. Historisch lässt sich an der Geschichte der Stadt Mekka, als Zentrum der islamischen Welt, dieser Dualismus nachzeichnen. Mekka als Heiligtum mit der symbolischen Kraft war stets ein Interessenstreitpunkt der Herrschenden in der islamischen Welt.

Exkurs: Homo Islamicus

Es sollte von Anbeginn an unmissverständlich deutlich sein, dass der Islam keine Kriegerreligion ist, - dass der Islam lediglich eine Weltkultur darstellt, die ein breites Spektrum von religiösen Ansichten und sozialen Ethiken der Offenbarung repräsentiert. Hierin liegt auch die große Problematik bei der Definition des "Homo islamicus", wenn wir über die islamischen Welt sprechen, gar urteilen wollen. Hier bedarf es eine genaue Analyse der Erscheinungsformen des Islams in den Gesellschaften und Gemeinschaften, welche sie angenommen haben. Jede Art der Pauschalisierung über die islamische Umma und insbesondere über den Islamismus, was das auch sein mag, als eine universalistische Ideologie erscheint daher als ad absurdum, da der "Homo islamicus" zwischen Casablanca und Jakarta in divergierenden Lebensformen auftritt. Die kulturellen sowie gesellschaftlichen Axiome des Islams sind in jeder Gesellschaft unterschiedlich angelegt.

Die Institutionalisierung des Islams

Die Institutionalisierung des Islams vollzog sich in verschiedenen Phasen. Die Schaffung einer muslimischen Gemeinde, aus welcher sich die erste frühislamische Gemeinschaft zuerst in Mekka, dann in Medina unter der Ägide des Propheten Mohammed entsteht, stellt die erste Phase als die sogenannte Gründungsphase. Sie umfasst den Lebensabschnitt des Propheten selbst und bildet einen Zeitraum von 23 Jahren nach der Offenbarung, diesem schließt sich die Regierungszeit der vier rechtsgeleiteten Khalifen an, welche in der islamischen Geschichtsschreibung als die Zeit der Hulafa-i Rashidun bekannt ist. Dies bedeutet die Ausbildung einer umfassenden, religiös definierten Gemeinschaft, welche als integrierende Kraft die Stammesgesellschaft etablierte. Der Prophet und seine Jünger, Sahaba-i-Kiram, sind die Elite, die eine segmentierte Gesellschaft der arabischen Stämme dahingehend transformieren, dass die islamische Gemeinschaft aus der Vermittlung zwischen Verwandschaftgruppen, der Wirtschaftregulierung, der Staatsbildung und der Moralreform dient. Bedeutend in der Tat ist , dass die Verwandschaftstrukturen von der gesellschaftlichen Transformation unberührt bleiben.

Das Wertesystem, welches aus der Koexistenz von segmentärer und religiöser Organisation besteht ist grundlegend komplex. Auf der prophetischen Ebene enthält der Koran und die Sunna das Prinzip der Vorstellung einer transzendenten Realität, die im Widerspruch zu der Stammeskultur steht. Die Offenbarungsvision stellt der Erweiterung des Stammesgruppen und der Kriegertugenden vorislamischer Zeit eine religiöse Bruderschaft und persönliche Askese entgegen. Diese ist gezeichnet durch Bescheidenheit, Demut, Selbstbeschränkung in der Gemeinschaft. Jedoch blieb die Stammeskultur bis zur heutigem Tage beibehalten, - die Familien-und Stammesstruktur der arabischen Völker von damals ist noch heute ein Teil der arabisch-islamischen Gesellschaftsstruktur. Die Beibehaltung von heidnischen Tugenden, in dem sie eine neue Bedeutung erhalten, zugleich die Konvertierung von anderen nicht-arabischen Völkern lässt den Islam als Religion äußerst pragmatisch erscheinen. Kulturtugenden und Rituale der eroberten Völker werden nicht abgelehnt, sie werden einer Transformation unterzogen, welche die heutige Vielfalt der islamischen Welt ausmacht.

Die islamischen Gesellschaften im Nahen und Mittleren Osten entstehen in der zweiten Phase der Institutionalisierung des Islams, welche durch Eroberungen im arabischen Raum miteinhergeht und den Zeitraum der vier erchtsgeleitetn Khalifen mitumfasst. In diese Phase ist auch die Entstehung eines prototypischen islamischen Staates zu datieren. Die muslimische Gemeinschaft erfährt ihre erste Differenzierung in eine Vielzahl von religiös-politischen Eliten und Verbänden, sowie Glaubensgemeinschaften. Diese Entwicklung ist verbunden mit einer Vervielfältigung der Orientierung gegenüber der irdischen Realität. In der Tat vollzieht sich die Institutionalisierung nicht in der Kontinuität von Hirten-und Oasengesellschaften, wo überwiegend die Stammesstrukturen wirken, sondern intern von Gesellschaften die landwirtschaftliche, ökonomisch, urban, imperial bestimmt sind. Die Gesellschaften waren auf verschiedener Ebene organisiert, bestanden aus zahlreichen Teil- Verwandschafts- Stammes- und Dorfgemeinschaften, welche durch die ökonomischen Tauschbeziehungen und durch die religiösen Gemeinschaften jüdischen, christlichen, zoroastrischen Ursprungs zusammen gehalten.

3
Aug
2005

Über den Begriff der Umma

Zum Verständnis des spezifischen Merkmals der universalistischen Ideologie im Islam ist der zentrale Begriff der Umma zu erwähnen. Sie wirkte, trotz der gescheiterten Versuche sie zu institutionalisieren stetig als ein religiös-ideologischer Orientierungspunkt. Das Ziel, die Vereinigung der politischen und der religiösen Sphären blieb als immerwährende Bestrebung, die von ihr ausgehenden weitreichenden Auswirkungen auf die politische und religiöse Entwicklung im Islam ist hier zu erwähnen. Daraus leiten sich die bedeutendsten Unterschiede zwischen den patrimonialen, imperialen und Stammesregimen im Islam ab. Die Kosequenz aus den genannten Faktoren hatte Auswirkungen auf die poltische und gesellschaftliche Dymanik der islamischen Zivilisation. Die Politik mit ihrem Bezug auf die Verantwortlichkeit der Regierenden und die Art der politischen Organisation zu untersuchen. Auf staatssymbolischer Ebene war die Erwartung an die Herrscher durch das Ideal der Aufrechterhaltung der Umma und die Verantwortlichkeit gegenüber derselben vorgesehen. In der frühislamischen Geschichte wurde die Forderung nach der Aufrechterhaltung der Umma wieder schnell aufgegeben, an ihre Stelle trat eine Theologie, welche jede Herrschaft der Anarchie vorzuziehen begann. Aufgrund der mangelnden durchorganisierten Struktur der religiösen Führung konnte sich keine autonome askriptive Basis bilden, welche eine politische Partizipation ermöglicht hätte. Die Partziption an der Herrschaft blieb nur auf bestimmte Bereiche, hauptsächlich auf höfische Clique und Bürokratie, beschränkt. Daher entwickelte sich in islamischen Gesellschaften keine wirksame Kontrollroutine durch die religiöse Elite gegenüber der Herrschaft.
Die islamische Gemeinschaft unterschied in der religiösen Führung zwei unterschiedliche Gruppen, welche in der Funktion als Wächter des islamischen Rechts auftraten. Die Führer der Sufi-Orden, auf der einen Seite, welche die mystische Ausrichtung des Islams vorantrieben und die Ulema, auf der anderen Seite, die als Gruppe der Rechtsgelehrten, welche für die Entwicklung des positiven Rechts in der Gemeinschaft Verantwiortung übernahm. Beide Gruppen traten als Partner in jeder denkbaren Koalition mit der politischen Führung auf, bildeten aber einen mächtigen Verbund bei jeder möglichen Konfrontation mit den Herrschenden. Von entscheidender Bedeutung ist die Tatsache dass die Ulema als Hüter der Gemeinschaft angesehen wurde und sich von den nicht-autonomen religiösen Gruppen in traditionalen Patrimonial- oder Stammesregimen unterschied.

31
Jul
2005

Merkmale islamischer Gesellschaften

In der Tat war es ein Merkmal islamischer Gesellschaften, welches den inneren politischen Einfluß von Sufi-Orden sehr oft mit einem äußeren Einfluß von Stämmen auf die Träger des idealen Islams verbunden zeigte. Die Mitglieder der Stämme vertraten bis zu einem Gewissen Grade die unverfälschte islamische politische Ordnung und Vision.

Es setzte sich eine sehr starke universalistische Ideologie im Islam durch, welche von Anfang an von einer Spannung beherrscht war. Es gab auf der einen Seite die partikularitischen primordialen arabischen Elemente, die mit den Trägern der islamischen Vision der Umma verbunden waren, auf der anderen Seite, setzte sich mit den Eroberungen anderer Völker und der damit einhergehenden Einverleibung von neuen Gebieten und ethnischen Gemeinschaften, eine universalistische Orientierung durch. Die universalistische Orientierung trat immer mehr in den Vordergrund, während zwei primordiale Aspekte in zentralen Bereichen des Islams weiterlebten:

1. Die Vorraussetzung für die Legitimation der Herrscher wurde von der Abstammung abhängig gemacht, obwohl die Nachfolge des Propheten in der frühislamischen Geschichte durch die Wahl des Abu Bakr als ersten Kalifen, welche mittelbar mit dem Propheten verwandt war, eine Wahl durch die islamische Gemeinschaft ein Konsensus darstellte. Die Zeit der vier Kalifen nach dem Tode des Propheten ist durch den Wechsel dieser Vorraussetzung gekennzeichnet. Abu Bakr, Omar und Osman sind im Gegensatz zu Ali, als Schwiegersohn des Propheten, mittelbar im Verwandschaftsverhältnis, wobei die Stammesangehörigkeit als Merkmal der Abstammung problematisch erscheint.

2. Die arabische Sprache als primordialer Aspekt blieb die Sprache des Islams, des Korans, des Gebets und auch der Rechtsauslegung. Diese Erscheinung steht im Gegensatz zu Judentum oder zum Christentum, - auch vor der Reformation in Europa wurden die Heiligen Bücher beider monotheistischer Religionen in verschiedenen Sprachen gelesen, so wurde die Bibel in Alexandria in Griechisch vorgetragen, wie auch die Liturgie der Ostkirchen in Griechisch gehlaten wurden.

Die Durchsetzung der universalistischen Ideologie brachte die sogenannte abbasidische Revolution, damit war die Verschiebung der Legitimationsgründe für die Herrschaft begründet. Nicht mehr direkte Abstammung vom Propheten und der Konsensus der Gemeinschaft zählten, vielmehr setzte sich die Auffassung durch, dass Seniorität und die Erfüllung des Willens des Propheten. Die abbasidische Revolution war tragend für die weitere Entwicklung der islamischen Gesellschaften im Nahen Osten. Die Institutionalisierung der universalistischen Vision durch die abbasidische Revolution, brachte als Konsequenz mit sich, dass eine Trennung der politischen und religiösen Eliten vollzogen wurde. Die Legitimation der Herrschaft der postabbasidischen Kalifen wurde von der religiösen Führung nur teilweise legitimiert. Es kam zu einer deutlichen Trennung der innerweltlichem und außerweltlichem Handeln mit einer starken Betonung des letzteren.

Die neuzeitliche Dissens zwischen den politischen und religiösen Eliten in den einzelnen islamischen Gesellschaften von Marokko bis nach Indonesien ist unter Berücksichtigung der historischen Dimension der abbasidischen Revolution zu verstehen. Die Säkularisierungstendenzen haben sich folglich seit zwei Jahrhunderten durch die historisch bedingte Trennung der politischen und religiösen Eliten in der gesamten islamischen Welt nicht durchsetzen können. Die Weigerung der religiösen Eliten die politische Herrschaft zu legitimieren fanden in den unteren Gesellschaftschichten als Träger der islamischen Vision ihre Zustimmung, während zeitgleich die politischen Eliten durch die Europäisierung den Kulturkampf innerhalb der islamischen Welt in verschiedenen islamischen Staaten je nach Ausbildung der gesellschaftllichen Bedingungen eher radikalisiert haben. Die Abkehr von westlichen Modellen nach Scheitern derselben stimuliert die Lösungssuche in der islamischen Zivislisation.

Über grundlegende Prämissen der islamischen Zivilisation

Die Analyse des islamischen Fundamentalismus ist ohne Betrachtung der historischen Entwicklung, der sozio-ökonomischen und machtpolitischen Motive, welche die Verzauberung zu folge haben ungenügend. Hochaktuell erscheint die Diskussion in der medialen Welt des Abendlandes unbeschadet der unkritischen Reflektion des Islamismus als Folgeerscheinung des Kolonialismus und Imperialismus grundsätzlich emotional. Der Fundamentalismus ist als Erscheinung der Moderne und Postmoderne kein Betriebsunfall der Achsenzeitkulturen. Hier stellt sich die Frage nach den grundlegenden Prämissen der Gesellschaften verschiedener Zivilisationen, insbesondere der islamischen Gemeinschaft. Die Intention des Autors sei gegenwärtig ein Beitrag zu Objektivität in der Betrachtung des Islams zu leisten.

Die wichtigsten kulturellen Prämissen die sich in den verschiedenen islamischen Gesellschaften im laufen der Geschichte herausbildeten sind folgende:

1. In den islamischen Gemeinschaften wurde unterschieden zwischen dem kosmischen transzendenten und dem weltlichen Reich. Die Spannung, welche sich aus dieser Spaltung erwuchs, konnte ausschließlich durch die Unterwerfung unter den Willen Gottes und innerweltliche Tätigkeit, vorallem politischer und militärischer Art überwunden werden. Dies bildete ein universalistisches Element bei der Genese der islamischen Gemeinschaft.

2. Die Mitglieder der islamischen Gemeinschaft hatten grundsätzlich einen autonomen Zugang zu den Attributen der transzendenten Ordnung, der Erlösung. Die Gläubigen bildeten eine politisch-religiöse Gemeinschaft, welche sich von jeder askriptiven, primordialen Gruppe unterschied. Ihr Ideal war die Umma.

3. Die Herrscher in den islamischen Staatengebilde sollten als Hüter der islamischen Ideale, die Reinheit der Umma und des Lebens der Gemeinschaft nach den Vorschriften des Korans und Sunna bewahren.

Eng verbunden damit war die politische Gleichheit aller Gläubiger und die Verantwortlichkeit der Herrscher gegenüber dem islamischen Ideal. Neue institutionelle Entwicklungen verursachten die Durchdringung der Peripherie mit Entstehung des Stadtlebens, neue Typen von herrschenden Eliten im allgemeinen, autonome religiöse Eliten und Institutionen im besonderen ließen das islamische Ideal zur Entfaltung kommen.

Die oben bezeichneten Prämissen sind nicht ausschließlich in den islamischen Gemeinschaft zu beobachten, sie stellen als abwandelbare Prämissen die Merkmale der vormodernen Gesellschaften dar. Es sind Merkmale einer vorsäkularen Gesellschaft, welche auch paralellen zu westlichen Gesellschaften zulässt. Die Ideale des Christentums und das Sendungsbewusstsein einer eurozentrisch geprägten Herrscherelite in Europa zählt zu den Prämissen, welche ein politisch-militärisches Eindringen in die islamischen Welt verursachte.
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